Ortsgeschichte | Fränkisches Gräberfeld

Ein fränkisches Gräberfeld am Stadion

Archäologen fanden den frühmittelalterlichen Friedhof

 

Text: Kurt Schlechtriemen

Fotos: Ute Prang |  Römisch-Germanisches Museum | Rheinisches Bildarchiv Köln | Anja Wegner

 

Beitrag aus BlickPunkt 31

Nach Fertigstellung der Jahnwiese, wo ein kompletter Römerhof existiert hatte, wurde 1929  ganz in der Nähe an der Südwest-Ecke des Stadions auch ein fränkisches Gräberfeld aus dem fünften bis siebten Jahrhundert ausgegraben. Die Franken waren um 450 n. Chr. in unser Gebiet eingedrungen, hatten die Römer verjagt und Dörfer und Höfe angelegt.

Fränkische Perlenkette, ein Ensemble unterschiedlicher Schmucksteine

Unter der Leitung des Archäologen Fritz Fremersdorf wurden 149 Begräbnisstätten gefunden, die zum Teil ausgeraubt worden waren, von denen 85 aber ganz unbeschädigt waren. Die Ausgräber gingen methodisch vor und bedienten sich heute noch gebräuchlicher Mittel: Man teilte den Bezirk systematisch ein, grub schichtweise mithilfe spezieller Spaten, Pinzetten und Rasiermesserchen. Alle Schritte sind dokumentiert, auf Millimeterpapier gezeichnet und fotografiert.

Die Grabungen förderten unterschiedliche Formen des Totenkults zutage. Es zeigte sich, dass der Friedhof aus mehr oder weniger großen Gruppen von Gräbern bestand: Das Familienoberhaupt in der Mitte, daneben die Frau und dann die Kinder, weitere Angehörige sowie das Gesinde. Die Särge waren ausnahmslos aus Holz und nur noch in Resten nachweisbar. Neben Gräbern, die nur als etwa 30 Zentimeter tiefe Gruben zu erkennen waren, gab es etliche von über zwei Metern Tiefe und Länge sowie entsprechender Breite. Bei dazu passendem Sarg zeugte ein solches Begräbnis vermutlich vom hohen sozialen Rang des Verstorbenen. Auch waren manche Särge zusätzlich noch mit Steinen „eingepackt“. Bei niedrigem Stand konnte es dagegen sein, dass der Verstorbene nur auf einer Bretterunterlage aufgebahrt oder einfach, in ein Tuch gehüllt, beerdigt worden war.

Taschenbeschlag mit Almadin-Schmucksteinen – begehrt bei Frauen und Männern
Ein steinernes, aufwendig angelegtes Grab mit Beigaben

Wie an den Grabbeilagen zu erkennen war, lag es für die Neusiedler nahe, sich über den nur 70 Meter südlich gelegenen verlassenen Römerhof herzumachen. Denn in mehr als einem Dutzend Gräber wurden römische Münzen aus Silber gefunden, außerdem Spielsteine, Schreibgriffel, Bronzeglöckchen, Brocken eines Marmorkapitells, Waffen und vieles mehr. Übrigens dienten den Franken wohl auch die Brunnen der villa rustica als Wasserquelle: Bei zwanzig Metern Grundwassertiefe fehlte ihnen vermutlich das nötige Ingenieurswissen zum Bau eigener Wasserstellen.

Prunkvolle Scheibenfibel einer fränkischen Frau

Die Ausbeute bezüglich der Grabbeilagen war überhaupt recht ergiebig. Neben den gefundenen römischen Artefakten kamen Knöpfe und Schnallen  aus Bronze und Silber in beträchtlicher Zahl zutage. Zu den Sachen, die der Schönheit dienten, gehörten besonders viele sogenannte Almadinfibeln, bronzene Gürtelgarnituren bei den Frauen und mit Silbernägeln beschlagene Waffen bei den Männern. Als beispielhaft für ein reichlich ausgestattetes Männergrab gilt das mit der Nummer 37: Neben einer „dreiteiligen eisernen Gürtelgarnitur mit großen Bronzeknöpfen sowie Silbertauschierung“, so Fritz Frmersdorf, fanden sich der Knauf eines Schwertes, verziert mit Intarsien aus Edelmetall, sodann eine Lanze mit reichgegliedertem Schaft und dem genieteten Knauf eines bronzenen Schutzschildes. Schwerter, Lanzen, Saxe, Messer und Kriegsgerät überhaupt waren den Franken wohl unabdingbar und entsprechend häufig zu finden. Des ungeachtet aber kamen auch viele Dinge des täglichen Gebrauchs wie ein gläserner Sturzbecher, Tongefäße und verzierte Riemenzungen, Kämme, Scheren, Pinzetten und vieles mehr ans Tageslicht.

Grabungsort: Südwest-Ecke des Stadions

Die Fachleute waren gespannt darauf, wo die zum Gräberfeld gehörende fränkische Siedlung gelegen haben mochte und wie groß sie wohl war. Überhaupt war hier bis dahin noch keine solche gefunden worden, und mit dem Müngersdorfer Sportpark, der sich inzwischen auf dem infrage kommenden Areal ausbreitet, sind die Aussichten dazu wohl zunichte gemacht. In Anbetracht der Zahl der Grabstätten schätzt Fremersdorf aber, wie groß das zugehörige Dorf gewesen sein mochte: Zehn bis elf Familien mit je etwa vier Kindern könnten hier auf einem Quadratkilometer gelebt haben. Genutzt wurden Friedhof und Dorf wohl an die 100 Jahre. Später ist man in Köln noch auf weitere Gräberfelder gestoßen, und nur einen Kilometer entfernt vom Stadion westlich des Junkersdorfer Kornblumenwegs sind die Archäologen in den 40er- und 50er-Jahren erneut fündig geworden mit der fast unglaublichen Zahl von 514 Gräbern.

Leider sind die meisten Fundstücke aus dem Müngersdorfer Gräberfeld beim Fliegerangriff auf das Wallraf-Richartz-Museum am 29. 6. 1943 vernichtet worden. Nur einige Schmuckstücke, die zufällig im Panzerschrank aufbewahrt wurden, sind erhalten geblieben und noch im RGM zu sehen. Als Erbe geblieben sind uns Müngersdorfern jedoch der „Kirchenhof“ und der „Petershof“, deren Gebäude sich im Viereck wie in fränkischer Zeit um einen großen Innenhof gruppieren.

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50933 Köln

 

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