Ortsgestaltung | Petershof

„Dornröschen“ im Dialog wachküssen

Petershof im Herzen von Müngersdorf

Petershof: Ein Bericht zur Ideenschmiede

 

Eine Ideenschmiede sollte Anregungen zur zukünftigen Nutzung der Liegenschaft sammeln. Es soll eine neue gemischte Nutzung entwickelt werden, die auch den Müngersdorfern gerecht wird.

 

Fotos: GW, büro luchterhandt 

Grafiken: büro luchterhandt

Text: büro luchterhandt und Gebäudewirtschaft der Stadt Köln

Beitrag: BlickPunkt 32 | 2019

Gesamtansicht des Innenhofs

Eine Ideenschmiede sollte sich Gedanken zur Nutzung der Liegenschaft machen. Zu entwickeln war beziehungsweise ist ein gemischtes Konzept, das sich in die Örtlichkeit einfügt. Dabei ist der leer stehende „Petershof“ einer der wenigen erhaltenen „Vierkanthöfe“ Kölns. Erbaut 1896, gehört er seit 1923 der Stadt Köln. Zuletzt waren eine Kindertagesstätte sowie eine städtische Schlosserei dort untergebracht. Das gesamte Anwesen mit Gebäuden, hoher Ziegelsteinmauer und Baumbestand hat eine das Ortsbild prägende Wirkung. Der Zugang zum Herrenhaus ist eine Treppenanlage von der Belvederestraße aus; das zweigeschossige Gebäude liegt also erhöht über dem Straßenniveau, während die Hofzufahrt vom Lövenicher Weg aus erfolgt. Verteilt über das Gelände finden sich das Herrenhaus, Werkstätten, Stall und Scheune sowie das Kutscherhaus. Das Grundstück hat eine Fläche von 6.500 qm, dabei beläuft sich die vorhandene Nutzfläche auf 3.500 qm, die Freiflächen auf 4.100 qm.

Öffentliche Ortsbegehung im Januar 2018

Ideenschmiede

Nach einer Anregung des Bürgervereins Müngersdorf hat die Verwaltung eine Bürgerbeteiligung als „Ideenschmiede für den Petershof“ durchgeführt, um im Dialog mit möglichst vielen Interessierten Anregungen zu seiner künftigen gemischten Verwendung zu sammeln. Zuvörderst war zu klären, inwieweit das Anwesen bei einer teils privaten und teils öffentlichen Nutzung einschließlich der Frage nach den PKW-Stellflächen der Bevölkerung zugänglich sein soll.

Moderiert wurde das Verfahren durch das Hamburger „büro luchterhandt“: Einer Ortsbesichtigung mit einem Tag der offenen Tür folgten Workshops als einem Teil 1 der Ideensammlung, um die Wünsche und Vorstellungen der Interessierten zu sammeln. Aus den Arbeitsergebnissen ergaben sich verschiedene Varianten. In Teil 2 der Ideenschmiede als einem Aushandlungsprozess sollte über die sinnvolle Verwendung der Anlage beziehungsweise der einzelnen Gebäude nachgedacht werden. In zwei Schritten setzten sich die Teilnehmer mit den unterschiedlichen Vorstellungen auseinander und bewerteten diese. Daraus entwickelte luchterhandt zwei Konzepte, die in einem Teil 3 der Ideenschmiede mit den Teilnehmern erörtert wurden.

Konzept 1: Schwerpunkt Wohnen

Dabei steht die Wohnnutzung im Fokus des Konzepts, das mit 1.762 qm die Hälfte der verfügbaren Flächen einnimmt, 904 qm sind für öffentliche Verwendung gedacht.

 

Bezüglich der Wohnformen gibt es mehrere Möglichkeiten:

1) Die barrierefreien Erdgeschosse des „weißen Hauses“ und des Herrenhauses eignen sich für weniger mobile Menschen.

2) Der ehemalige Stall und der mittlere Teil des Herrenhauses sind für ein Mehrgenerationen-Projekt vorgesehen.  

3) Diese Variante (Punkt 1 und 2) ermöglicht gleichzeitig weitere Loftwohnungen sowie vier bis sechs Etagenwohnungen.

 

Für die Einrichtung einer vierzügigen Kita sind 883 qm eingeplant; durch ein Zwischengeschoss im Bereich des Stalls wären zusätzliche 273 qm zu gewinnen, sodass die Kita 1.156 qm groß werden könnte. Ebenfalls im Stall sind über zwei Geschosse (232 qm) verteilt kleinere Büroeinheiten oder ein Arbeitsbereich denkbar, in den Erdgeschossen der Scheune/Schmiede auf 378 qm Nutzungen wie Hofladen und ein flexibel verwendbarer  Begegnungsraum. Noch eine andere Verwendung kann das Dachgeschoss der Scheune (294 qm) finden.

Konzept 2: Schwerpunkt Arbeiten

Hier steht eine Nutzung mit Flächen für Gewerbe, Multifunktion und publikumsbezogene Räumlichkeiten auf 1.224 Quadratmetern im Blick:

 

1) für eine 4-zügige Kita 1.012 qm

2) für (angrenzend) Multifunktionsfläche 273 qm (durch Zwischengeschoss weitere 273 qm möglich)

3) für flexibel nutzbare Räumlichkeiten (Pfadfinder, Yoga, Selbsthilfe)

4) für Loftbüros, Gewerbe, Werkstatt, Working-Space im Dachgeschoss der Scheune/Schmiede 457 qm

5) für Hofladen, Bäckerei, Stadtbibliothek 494 qm

6) für andere unterschiedliche Wohnformen (Pflege-Wohneinheiten, Pflegebüro) 1.313 qm

7) für individuelle Wohnkonzepte (6 bis 8 Einheiten) in Herrenhaus, Kutscherhaus und Erweiterungsbau

8) für drei bis vier Stadthäuser (3 Etagen) in weiteren Bereichen des Herrenhauses
 

Diskussion der Vorschläge

In der Diskussion zeichnete sich eine Präferenz für Konzept 1 mit Schwerpunkt Wohnen ab. Dabei hat die Ideenschmiede Petershof intensiven Austausch darüber ermöglicht, was aus diesem einzigartigen Ort werden könnte. Es gilt nun, die Bausubstanz zu prüfen, den Kostenrahmen für die Gesamtkonzeption abzuschätzen, einen Zeitplan zu entwerfen sowie Pläne zur Finanzierung und besonders bezüglich der Trägerschaft (Stadt Köln oder externer Investor) vorzulegen.

Es wird nachdrücklich empfohlen, die künftigen Nutzer in den Prozess einzubinden, die Teilnehmer der Ideenschmiede fortlaufend zu beteiligen und gegebenenfalls die Nachbarschaft zu informieren. Dank der eingeübten Dialogfähigkeit und des geschaffenen positiven Klimas sollten Meinungsverschiedenheiten geklärt werden können.
 

Zwei Varianten sind möglich:

Investorenmodell

Auf Grundlage der erarbeiteten Nutzungsmöglichkeiten wird ein Investorenwettbewerb veranstaltet. Die Liegenschaft bleibt dabei im Besitz der Stadt Köln, mit dem Investor wird ein Erbpachtvertag abgeschlossen. In öffentlicher Ausschreibung werden die Rahmenbedingungen veröffentlicht, dann eine Vorausauswahl der Ideen getroffen und im Dialog, auch mit den Bürgern, weiterentwickelt. Ein Gremium soll schließlich einen Entwurf auswählen, um dann die Verträge zwischen Investor und Stadt abzuschließen.

 

Bürgerzentrumsmodell

Lindenthal und damit Müngersdorf hat als einziger Stadtbezirk kein Bürgerzentrum. Diesem Mangel könnte abgeholfen werden, wenn aus dem Petershof etwa ein sozialer Treffpunkt, aus dem nahe gelegenen Bahnhof Belvedere gleichzeitig ein eher kultureller Ort würde. In anderen Stadtteilen finden sich bereits ähnliche Projekte. Aufgrund der vielfältigen Erfordernisse bedarf es in jedem Fall einer genossenschaftlichen Verwaltungsform, die sich um die Vermietung und den Erhalt der Anlage kümmert. Von der Möglichkeit eines Verkaufs der Liegenschaft wird die Stadt Köln absehen. Der rechtliche Rahmen für beide Modelle ist noch zu klären.

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Restaurierung der denkmalgeschützten Mauer des Petershofs 

Die Kölner Fachhochschule präsentierte Ideen für den Petershof 

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