Ortsgestaltung | Petershof

„Dornröschen“ im Dialog wachküssen

Petershof im Herzen von Müngersdorf

Petershof: Ein Bericht zur Ideenschmiede

 

Eine Ideenschmiede sollte Anregungen zur zukünftigen Nutzung der Liegenschaft sammeln. Es soll eine neue gemischte Nutzung entwickelt werden, die auch den Müngersdorfern gerecht wird.

 

Fotos: GW, büro luchterhandt 

Grafiken: büro luchterhandt

Text: büro luchterhandt und Gebäudewirtschaft der Stadt Köln

Beitrag: BlickPunkt 32 | 2019

Gesamtansicht des Innenhofs

Der „Petershof“ ist einer der wenigen erhaltenen denkmalgeschützten innerstädtischen Vierkanthöfe Kölns. Der Hof liegt im Herzen des Stadtteils Müngersdorf, Stadtbezirk Lindenthal, Köln.
Der Petershof wurde 1896 als landwirt-schaftliche Hofanlage erbaut. Seit 1923 gehört er der Stadt Köln. Zuletzt waren in dem Objekt eine Kindertagesstätte sowie ein Betriebshof mit Schlosserei untergebracht. Seit Jahren leerstehend, fristet er seitdem ein Dornröschen-Dasein.
Der Hof ist umgeben von einer hohen Ziegelsteinmauer, die eine ortsbildprägende Funktion hat, ebenfalls denkmalgeschützt ist und 2015 generalinstandgesetzt wurde. Es besteht ein alter, z.T. geschützter Baumbestand. Der Eingang ins ehemalige Herrenhaus erfolgt über eine Treppenanlage von der Belvederestraße aus. Das zweigeschossige Gebäude liegt erhöht über dem Straßenniveau.
Die Hofzufahrt erfolgt über den Lövenicher Weg. Links von der Einfahrt befindet sich ein weißgetünchtes zweigeschossiges Gebäude, das vormals dem Wohnen diente. Rechts liegt die alte eingeschossige Schmiede. Die Südwestseite besteht aus der ehemaligen Schlosserwerkstatt in der Scheune und grenzt direkt an die Nachbarbebauung. Der Gebäudetrakt an der Straße Am Petershof besteht aus dem Kutscherhaus, dem Stall und der Scheune.


Daten zur Liegenschaft
Das Grundstück hat eine Fläche von ca. 6.500 qm. Die vorhandene Nutzfläche beläuft sich auf ca. 3.500 qm, die Freiflächen sind ca. 4.100 qm groß.


Ideenschmiede
Nach einer Anregung des Bürgervereins Müngersdorf hat die Stadt eine Bürgerbeteiligung als „Ideenschmiede für den Petershof“ durchgeführt. Diese Ideenschmiede sollte Anregungen zur zukünftigen Nutzung der Liegenschaft sammeln. Es soll eine neue gemischte Nutzung entwickelt werden, die auch den Müngersdorferinnen und Müngersdorfern gerecht wird. Das von einem Stadtplanungsbüro moderierte Verfahren verfolgte die Absicht, im Dialog mit möglichst vielen Interessierten –Bürgern, potenziellen künftigen Nutzern und Investoren, Vertretern der Politik sowie den beteiligten Fachverwaltungen der Stadt Köln – ein Nutzungskonzept zu entwickeln.
Im Vordergrund stand dabei die Fragestellung, inwieweit bei einer teils privaten und teils öffentlichen Nutzung der Hof als erfahrbare stadträumliche Fläche der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Diese Frage und ein Vorschlag zur Lösung der Unterbringung des ruhenden Verkehrs waren ebenfalls zu erarbeiten.
Mit der Durchführung der Moderation wurde nach einem Wettbewerbs-verfahren das „büro luchterhandt“ aus Hamburg beauftragt, das über große Erfahrung mit Bürgerbeteiligungen verfügt. Einer Ortsbesichtigung (Tag der offenen Tür) folgten die Workshops.
In Teil 1 der Ideenschmiede wurden zunächst Ideen zu den einzelnen Wünschen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesammelt, um die unterschiedlichen
Interessenlagen und Besonderheiten des Planungsortes deutlich zu machen. Das büro luchterhandt entwickelte aus den Arbeitsergebnissen vier Varianten.
In Teil 2 der Ideenschmiede wurde die inhaltliche Arbeit weiter vertieft. In einem Aushandlungsprozess sollten die Gebäude unter Beachtung der erforderlichen Raumgrößen mit sinnvollen Nutzungen belegt werden. In zwei Schritten setzten sich die Teilnehmenden mit den vier Varianten auseinander und bewerteten diese gegenseitig.
Anschließend entwickelte das büro lucherhandt zwei Konzepte, die in Teil 3 der Ideenschmiede mit allen Workshop-Teilnehmenden erörtert wurden.

Konzept 1: Schwerpunkt Wohnen

Die private Wohnnutzung steht im Fokus des Konzeptes 1 und nimmt mit 1.762 qm etwa die Hälfte der momentan verfügbaren Flächen im Petershof ein. 904 qm sind für öffentliche und eher öffentliche Nutzungen wie Gewerbe, Multifunktion und publikumsbezogene Nutzungen angedacht.

Bei der Belegung der Fläche mit unterschiedlichen Wohnformen gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten; dennoch eignet sich für bestimmte Wohnformen der eine oder andere Gebäudeteil besser. Die Erdgeschosse des weißen Hauses und des daran angrenzenden Gebäudeteils des Herrenhauses eignen sich aufgrund der guten Zugänglichkeit und der präsenten Lage im Hof für eine barrierefreie Wohnnutzung durch zwei Einheiten. So können auch weniger mobile Menschen komfortabel am Hofleben teilhaben. Aufgrund der besonderen Gebäudetypologien des Stalls und des mittleren Gebäudeabschnitts des Herrenhauses ist in diesen Gebäudeteilen die Nutzung durch ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt sowie eine Baugruppe vorgesehen. Des Weiteren wären bei dieser Variante Loftwohnungen mit je einer Einheit im Dachgeschoss des weißen Hauses und des Herrenhauses sowie vier bis sechs Wohneinheiten als Etagenwohnungen in den restlichen Geschossen möglich.
Für die Einrichtung einer vierzügigen Kita sind hier 883 qm eingeplant; durch das Einziehen eines Zwischengeschosses im Bereich des Stalls wäre eine zusätzliche Fläche von 273 qm zu generieren, sodass die Kita 1.156 qm groß werden könnte.
Ebenfalls im Stall verortet, erstrecken sich über 2 Geschosse auf 232 qm kleinere Büroeinheiten oder ein Co-Working-Bereich. In den Erdgeschossen der Scheune und der Schmiede sind auf 378 qm publikumsbezogene Nutzungen wie ein Hofladen und ein flexibel nutzbarer Begegnungsraum verortet. Multifunktionale Flächen sind im Dachgeschoss der Scheune auf 294 qm vorgesehen.

Konzept 2: Schwerpunkt Arbeiten

In Konzept 2 steht die (eher) öffentliche Nutzung des Petershofes mit Flächen für Gewerbe, Multifunktion und publikumsbezogene Nutzungen auf einer Gesamtfläche von 1.224 qm im Fokus.

Für die vierzügige Kita ist eine Fläche von 1.012 qm vorgesehen. Die daran angrenzende Multifunktionsfläche hat in dieser Variante eine Größe von 273 qm – durch das Einziehen eines Zwischengeschosses im Bereich des Stalls wäre eine zusätzliche Fläche von 273 qm zu generieren, sodass der Multifunktionsfläche eine potenzielle Fläche von 546 qm zukommt. Die multifunktionalen Flächen samt Lager, Küche und Sanitäranlagen können für Veranstaltungen unterschiedlicher Art genutzt werden. Darüber hinaus sollen flexibel nutzbare Räumlichkeiten für wechselnde Nutzer wie Pfadfinder, Yoga-Gruppen oder eine Selbsthilfe-Werkstatt geschaffen werden.
Flächen für Loftbüros, produktives Gewerbe, eine Werkstatt und einen
Co-Working-Space sind zu Teilen im Dachgeschoss der Scheune und der Schmiede auf einer Fläche von 457 qm geplant.
Die direkte Nähe zum Hofeingangsbereich sowie die Möglichkeit, den Hof als Erweiterungsraum für die Flächen innerhalb des Gebäudes zu nutzen, kommen den publikumsbezogenen Nutzungen zugute. Möglichen Nutzern wie Hofladen, Bäckerei oder Stadtteilbibliothek steht insgesamt eine Fläche von 494 qm zur Verfügung.
Auf einer Fläche von 1.313 qm wurden  unterschiedliche Wohnformen angedacht. Darunter drei Pflege-Wohneinheiten im weißen Haus mit angrenzendem Pflege-büro im Erweiterungsbau.
Im mittleren Gebäudeabschnitt des Herrenhauses und im Kutscherhaus samt angrenzendem Erweiterungsbau fänden Baugemeinschaften mit individuellen Wohnkonzepten für sechs bis acht Wohneinheiten Platz.
In den restlichen Gebäudeabschnitten des Herrenhauses sind drei bis vier schmale Stadthäuser geplant, die jeweils über zwei bis drei Etagen verfügen.
Diskussion der Konzeptvorschläge
Die Konzeptvorschläge wurden mit Hilfe der Fishbowl-Methode besprochen. In der Diskussion zeichnete sich eine Präferenz für das Konzept 1 mit dem Schwerpunkt Wohnen ab.
Die Ideenschmiede für den Petershof in Müngersdorf hat einen intensiven Austausch darüber ermöglicht, was aus diesem einzigartigen Ort werden könnte – zum Vorteil für Müngersdorf und zum Erhalt dieser ehrwürdigen Bausubstanz. Damit ist der Anfang gemacht, mit Blick auf eine Realisierung sind indessen noch viele Fragen zu klären. Denn nun gilt es, die Bausubstanz genauer in Augenschein zu nehmen, um verlässliche Grundlagen für die weitere Planung zu erhalten und um im Detail entscheiden zu können, in welcher Weise die konkreten Nutzungsideen jetzt auch umgesetzt werden können. Fragen des Denkmalschutzes, die im Zuge der Ideenschmiede aufgeworfen wurden, sind ebenfalls eingehend für das konkrete Konzept zu erörtern. Ebenfalls bedarf der Baum- und Grünbestand auf dem Hof einer noch genaueren fachlichen Bewertung, um die Rahmenbedingungen für die weitere Planung präzisieren zu können.
Nicht minder wichtig ist die Vertiefung und Klärung der Erschließung und der Stellplatzerfordernisse. Auf der Grundlage einer präzisen Analyse und Bewertung des Bestands ist für die Nutzungskonzeption der Gebäude ein realistischer Kostenrahmen abzuschätzen sowie ein Zeitplan für die Umsetzung zu entwerfen. Besondere Aufmerksamkeit ist nicht zuletzt der Trägerschaft sowie Finanzierung zu schenken. Im Hinblick auf das erarbeitete Konzept ist seitens der Stadt Köln eingehend zu prüfen, ob das Vorhaben von einem privaten Investor resp. Investorenkonsortium oder durch die Stadt selbst entwickelt werden sollte. Dazu sind die Erfahrungen mit vergleichbaren Entwicklungen historischer Höfe in Köln eingehend zu analysieren und Schlussfolgerungen für den Petershof in Müngersdorf zu ziehen. Schließlich wird ausdrücklich empfohlen, in den weiteren Planungsprozess die künftigen Nutzer weitestgehend einzubeziehen und auch die Akteure, die im Rahmen der Ideenschmiede viel Zeit investiert haben, fortlaufend über die Fortschritte zu informieren und bei ggf. erforderlichen Veränderungen des Konzepts dazu ein Meinungsbild aus der Nachbarschaft einzuholen.
Das mit der Ideenschmiede aufgebaute Klima für einen behutsamen Wandel des Petershofs soll produktiv bleiben, auch wenn es mit der Konkretisierung der Planung zu Themen wie Kosten, technische Umsetzung, Denkmalschutz, Zeit oder Baustellenlogistik sicher Kontroversen geben könnte. Dank der eingeübten Dialogkultur sollten auch diese Herausforderungen miteinander geklärt werden können.
Der Petershof im Herzen von Müngersdorf soll in möglichst vielen Bereichen allen Müngersdorfern offen stehen und ein breites öffentliches und kulturelles Angebot beheimaten.

Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V.
Kirchenhof 4
50933 Köln

 

T 0221 - 49 56 16

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