Umwelt + Grünes | Streuobstwiese

Bäume für die Zukunft

Auf der Streuobstwiese Belvedere entsteht eine Esskastanienallee

 

Text: Angelika Burauen

Fotos: Ute Prang

Beitrag: BlickPunkt 32 | 2019

Weitere Infos:

freiluga-ev-koeln@gmx.de

Hitzerekorde, Starkregen und Dürreperioden haben uns in diesem Jahr den Klimawandel deutlich spüren lassen. Wobei sofort die Frage entsteht, was wir als Bürger oder Stadt tun können, um den vorhergesagten Veränderungen etwas entgegenzusetzen.
Schon jetzt vermittelt die Stadt Köln in einem frei zugänglichen „Waldlabor“ im Kölner Westen interessierten Besuchern, welche Bäume geeignet sind, mit extremen Wetterphänomenen zurechtzukommen. Da sind die Elsbeere, die Walnuss, die Sandbirke, die Douglasie, die Mispel und der
Spitzahorn zu nennen. Denn ein Baum ist mehr als nur ein Baum. Er ist Lebensgemeinschaft vieler Wesen wie Käfer, Bienen, Hummeln, Vögel und Fledermäuse.

Frisch gespflanzt: Esskastanien-Allee


Sie alle findet man im Bereich unserer Streuobstwiese Belvedere, für die sich der Bürgerverein Müngersdorf, zahlreiche Baumpaten und besonders der Förderverein Freiluga mit einer Pflege- und Unterhaltungsvereinbarung verantwortlich fühlen. Die Streuobstwiese ist ein schon existierendes Kleinod in Müngersdorf, um das sich Bürger ehrenamtlich jeden ersten Mittwoch im Monat von 15-16 Uhr kümmern. Vieler Probleme, verursacht durch Wühlmäuse, Kaninchen, Hunde, Autobesitzer, Schädlinge,verdichteten Boden nehmen sie sich an. Doch wer dann die vielen Kräuter entdeckt und gaukelnden Schmetterlingen hinterhersehen kann, wer den grauen Reiher erblickt, der nach Nahrung sucht, der weiß: Das ist  Lebens-qualität.
Überdies wirkt sich unsere Wiese am Belvedere auf dem besten Lössboden der Mittelterrassenlandschaft positiv auf das Klima aus. Sie schützt den Boden vor
Erosion, bietet Wildkräutern Platz und dient gleichzeitig als Bienenweide und Rückzugs-raum für gefährdete Arten. Ergänzt werden könnte die Grünfläche übrigens noch mit Tümpeln, Sandflächen, Steinhaufen, Bienenstöcken, Insektenhotels, Kiesflächen sowie Totholzanteilen.


Esskastanien am Mittelweg
Eine Vision lässt sich bereits bald umsetzen: Die Pflanzung einer „Allee der Zukunftsbäume“ am mittleren Weg der Streuobstwiese, die mit 14 Exemplaren die östliche Obstwiese von der westlichen Freifläche trennen soll. Das Vorhaben wird von der Stadtverwaltung unterstützt und fachlich begleitet. Der Baum, um den es geht, ist die Edelkastanie (castanea sative), auch als Marone und Esskastanie beziehungsweise Baum des Jahres 2018 bekannt. Zwei ältere Exemplare dieser Art gibt es bereits in der Freiluga. Sie blieben auch in diesem heißen Sommer grün und kamen mit Hitze und Dürre gut zurecht. Diese besondere Kastanienart besitzt eine Pfahlwurzel mit zahlreichen Seitenwurzeln und bildet stachlige Nuss-früchte aus, auch Maronen genannt; sie ist auf Wind- und Fremdbestäubung angewiesen. Die Esskastanie wird bis zu 25 Meter hoch, und der Stammumfang beträgt dann bis zu vier Meter. Ihr Alter kann 600 Jahre erreichen; der älteste Baum dieser Art in Sizilien steht schon über geschätzte 2000 Jahre.
Überdies wird die Esskastanie in der Volksmedizin gegen Husten, bei der Wundbehandlung und gegen Durchfall eingesetzt. Nicht zuletzt ist Kastanienhonig sehr beliebt, den auch Johann Wolfgang von Goethe schätzte und mit einem Gedicht im „Buch Suleika“ würdigte. Schon Kelten und Römer kannten die Esskastanie, und im Mittelalter wurde sie „Brot der Armen“ genannt. Mit beginnender Landflucht und Industria-lisierung löste die Kartoffel die Marone als Nahrungsmittel ab. Heute dient sie be-sonders wieder zur veganen Ernährung.
 

Erster Spaziergang durch die Kastanienallee

Damit auch unsere Ur-Ur-Ur-Enkel viele der heute gepflanzten Bäume nutzen können, ist es nötig, dass sie die Wertschätzung vieler interessierter Mitbürger erfahren. Der Klimawandel stellt uns alle vor große
Herausforderungen. Deshalb: Lassen Sie uns Bäume für die Zukunft pflanzen, werden Sie Baum-Pate und übernehmen Sie Verantwortung für heute und für die Zukunft. Noch anders gesagt: Lassen Sie uns Wurzeln schlagen! Der Förderverein Freiluga e.V. freut sich auf zahlreiche Meldungen.

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Kirchenhof 4
50933 Köln

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T 0221 - 49 56 16

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