Umwelt + Grünes | Wildbienen

Fleißige Bestäuber

Männchen von Osmia cornuta kurz nach der Schlupf
Mauerbienenmännchen schaut aus der Nisthilfe.

Maßnahmen zur Wildbienenförderung in Müngersdorf

 

Text: Lotta Domscheit

Fotos: Volker Fockenberg | Lotta Domscheit

 

Beitrag aus BlickPunkt 33

Wildbienen und deren Schutz sind auch in Müngersdorf ein sehr aktuelles Thema, über das zu berichten sich lohnt. Einer kurzen Einführung in die Welt der fleißigen Bestäuber folgt die Schilderung ausgewählter Maßnahmen zur Wildbienenförderung in Bildungseinrichtungen unseres Stadtteils: der Freiluga, der Grundschule Müngersdorf und dem Lehr- und Beispielgarten der Gartenfreunde Rheinland. Wildbienenförderung ist jedoch nicht nur auf Bildungseinrichtungen beschränkt: fast jede(r) kann den Bienen etwas Gutes tun. Jedoch Obacht: Wer es nicht nur gut meint, sondern auch gut machen möchte, muss sich vorab informieren – zu groß ist sonst die Gefahr, mit schlechter Bauhausware mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Um dies zu vermeiden, werden einige Tipps gegeben und am Ende des Artikels ausgewählte Informationsquellen vorgestellt.


Wildbienen: die anderen Bienen
Ähnlich, wie sich Wild- und Nutztiere unterscheiden lassen, gibt es auch Wild- und Nutzbienen. Die bekannteste Nutzbiene ist die Honigbiene (Apis mellifera). Neben dieser einen Nutzbiene existieren in Deutschland mehr als 560 Wildbienenarten. Alle zählen systematisch zur Familie der Bienen (Apidae), von denen es weltweit über 20 000 Arten gibt. Zu den Wildbienen zählen beispielsweise Seiden- und Maskenbienen, Mauerbienen, Pelzbienen und Hummeln. Wildbienen produzieren keinen Honig, haben aber eine hohe Bedeutung bei der Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Durch die Bundesartenschutzverordnung stehen sie unter besonderem Schutz. Die Größe der Bienen variiert zwischen 1,5 mm und 39 mm; die Tiergruppe zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Farben und Formen aus. Die meisten Wildbienen leben solitär, es gibt aber auch sozial sowie parasitisch lebende Arten, sogenannte „Kuckucksbienen“. Im Gegensatz zur Honigbiene sind die meisten Wildbienenarten hochspezialisiert. Dies betrifft nicht nur die Nahrungspflanzen, sondern auch das Baumaterial und den Nistplatz.

Weiden-Seidenbiene und ihr Parasit, die Blutbiene

Etwa drei Viertel der Arten nistet in der Erde. Andere Arten nagen ihr Nest in Tot- und Morschholz, wieder andere nagen sich in markhaltige Pflanzenstängel. Auch leere Schneckenhäuser und Fraßgänge von Käfern, Holzwespen und Schmetterlingen werden genutzt (vgl. Westrich 2011). Die starke Spezialisierung der Wildbienen macht klar, dass ihr Vorkommen vom Vorhandensein der benötigten Strukturen abhängt. In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Ein Hauptproblem für das Artensterben ist die intensive Landwirtschaft. Aber auch hauseigene Schottergärten, Monokulturen englischen Rasens oder schlechte Pflanzenwahl tragen nicht gerade zum Erhalt der Populationen bei.


Wildbienenförderung in Müngersdorf
Ausschnittsweise soll hier von Maßnahmen in Müngersdorfer Bildungseinrichtungen berichtet werden. Dort liegt der Schwerpunkt in der Bereitstellung von Beobachtungsmöglichkeiten und der Vermittlung von Wissen und Freude über die spannende Tiergruppe. Auf Augenhöhe stehende Nisthilfen ermöglichen dem Besucher besonders gute Einblicke – nicht nur in die Gruppe der Hohlraum besiedelnden Wildbienen, sondern auch in die der solitären Wespen. Wer vorher noch ängstlich war, verliert diese Angst meist schnell, wenn die Bienen, emsig mit Pollen, Lehm oder Blattstücken bepackt, dicht am Gesicht vorbei zum Nest fliegen.


Freiluga
Der Anspruch, als Bildungseinrichtung mit gutem Beispiel voranzugehen und der hohe Aufforderungscharakter des Themas führte im Jahr 2017 zur Gründung der „Arbeitsgruppe Wildbienen Freiluga“, einem Zusammenschluss aus Mitarbeitern des Trägers (Amt für Kinder, Jugend und Familie, Abt. Kinderinteressen und Jugendförderung), dem Jugendhilfe e.V. und den Lehrkräften des Schulbiologischen Zentrums. Diese Arbeitsgruppe entwickelte ein Konzept zur Wildbienenförderung auf dem Gelände der Freiluga, welches im Dezember 2018 sogar mit dem zweiten Platz beim Umweltschutzpreis der Stadt Köln belohnt wurde. Nach einer Fortbildung mit Geländebegehung für die gesamten Mitarbeiter vor Ort konnten weitere Schwerpunkte gesetzt werden. In den folgenden Monaten erfolgte ein kompletter Austausch des alten Wildbienenschrankes. Sukzessive wurden in den neuen, mit Glasdach versehenen Wildbienenschrank qualitativ hochwertige kleine Nisthilfen aus Hartholz, Ton und Bambus eingestellt. Mitten zwischen nestbauenden Mauerbienen sammelt der Beobachter nicht nur eigene Eindrücke und Beobachtungen. Er lernt gleichzeitig die Biene besser kennen; eine Grundlage dafür, eine emotionale Bindung aufzubauen und das Tier auch schützen zu wollen. Kleine herausziehbare Schubladen (Spione) ermöglichen außerdem einen Einblick in das Innere einer Niströhre. So lässt sich ganz genau die Entwicklung vom Ei zur fertigen Biene beobachten. Man versteht, dass der teilweise ein Jahr in der Röhre verharrende „Bienenschatz“ gut geschützt werden muss. Da bei uns die Beobachtung im Vordergrund steht und die einzelnen Nisthilfen noch lange in dieser Form erhalten bleiben sollen, wurde als Spechtschutz ein Kaninchendraht angebracht. Für die im Boden nistenden Wildbienen wurde eine kleine, einen Meter tiefe und mit 30 cm Kiesdrainage ausgestattete Sandfläche angelegt, die ab jetzt von Bewuchs frei gehalten werden muss. Das Wichtigste von allem aber ist die Nahrung. Paul Westrich äußert sich hierzu folgendermaßen: „Die Förderung einer vielfältigen Wildflora ist das bei weitem wirksamste Instrument des Wildbienenschutzes in den Gärten: je vielfältiger das Nahrungsangebot, desto mehr Bienenarten bekommen eine Chance“ (vgl. https://www.wildbienen.info/artenschutz/nahrungsangebot_grundlagen.php).

Großer Wildbienenschrank Freiluga

Eine große Futterfläche direkt am Schrank wurde angelegt. An deren Zaun entlang wurden trockene, dicke Brombeerranken angebracht. Diese Ranken dienen einigen Wildbienenarten, die in der Lage sind, sich selbst einen Gang zu beißen, als Niströhre. Die Brombeerranken müssen senkrecht (!) aufgehängt werden und mindestens bis zum nächsten Frühjahr an ihrem Platz verbleiben – erst dann schlüpft bei vielen Arten die nächste Generation. Am besten lässt man sie einfach solange dort, bis sie von selbst zerfallen. In unmittelbarer Nähe wurden noch verschiedene männliche Weiden gepflanzt – eine besonders wertvolle Pollenquelle. Des Weiteren wurden an vielen Stellen neue wildbienenfreundliche Wildblumenstauden wie Glockenblumen ausgebracht. An einer Stelle haben wir einfach mal aufs Mähen verzichtet, und siehe da: Die Wiese belohnte uns im Sommer mit einer vorher nicht dagewesenen Vielfalt an Insekten und Spinnentieren.
In den folgenden Monaten soll die Anzahl der Freiflächen für die im Boden nistenden Wildbienen noch erhöht werden.
Natürlich wurden die Neuerungen auf dem Gelände direkt in den Unterricht eingebaut. Seit März 2019 können Schulklassen das Thema „Wildbienen“ buchen. Neben dem Sammeln und Dokumentieren eigener Beobachtungen fertigt jede Klasse eine Nisthilfe aus vorgesägtem Bambus an. Übrigens: Unsere Wildbienenarbeit dokumentieren wir auf der Website: schulbio-freiluga.de unter „aktuelles“.


Grundschule Müngersdorf
Nachdem die GGS Müngersdorf bereits seit 2015 erste Bienenpflanzen in den Kübeln des vorderen Schulhofes aus- und eine Nisthilfe mit Spion auf dem hinteren Schulhof angebracht hatte, kam im Jahr 2019 im Rahmen der „Wildbienenoffensive“ des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes der Stadt Köln eine große neue Nisthilfe an der Rampe hinzu. Zum Einstieg in die Befüllung wurde mit Unterstützung des BUND ein großer Aktionstag durchgeführt. An diesem Tag lernten die Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse nicht nur spannende Inhalte aus dem Leben der Bienen kennen. Sie stellten auch unter Anleitung einige Niströhren her und erfuhren am eigenen Leib, wie schwierig dieses Unterfangen ist. Ohne etliche Stunden an Vorbereitung und eine große Anzahl von Betreuern hätte diese Aktion nicht durchgeführt werden können – also leider nichts für den „normalen“ Unterricht. Weitere Nisthilfen und Spione wurden hinzugekauft und bereits besiedelt.
In den kommenden Wochen wird die Wiese an der Rampe von einem fachkundigen Gärtnermeister in eine Wildblumenwiese umgewandelt. Das erste Jahr Pflege ist sichergestellt; die weitere Pflege wird die Schule leisten – was auch bedeutet, das Handwerk des Mähens mit Sense zu erlernen.
Bereits vorhandenes Wildbienenfutter wurde „neu“ entdeckt und wertgeschätzt: An der Mauer produziert ein alter, prächtig blühender Efeu Nahrung für die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae).

Auch in den Unterricht und in das Projekt „Lernen durch Lehren“ in Kooperation mit dem Schulbiologischen Zentrum floss die Thematik Wildbienen ein. So hielten am Tag der offenen Tür der Freiluga im Jahr 2019 Grundschülerinnen und Grundschüler Bildvorträge zum Thema Wildbienen und Umweltbildung im Veedel.


Lehr- und Beispielgarten
Auch im Lehr- und Beispielgarten sind bereits eine vorbildlich gebaute Nisthilfe sowie eine Wildblumenwiese und ein Sandarium entstanden. Dank der Leiterin des Gartens, Frau Giesselmann, ihrer Mitarbeiter und Schülerinnen und Schüler der GGS Müngersdorf können sich die Wildbienen hier bereits sehr wohl fühlen.
Jeder kann helfen – aber Vorsicht vor Misthilfen!
Die Problematik des Insektensterbens rückt verstärkt ins kollektive Bewusstsein, und der Wunsch vieler Menschen, auch privat etwas dagegen zu tun, wächst. Ganz hoch im Trend ist das Kaufen und Nachbauen sogenannter „Insektenhotels“. Leider wird damit oftmals mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Es haben sich, mangels Gütesiegel, in Baumärkten, Gartencentern und Internetshops die schlechtesten Modelle durchgesetzt. Sie zieren Gärten und öffentliche Flächen, dienen so als schlechtes Beispiel und werden von eifrigen Bürgerinnen und Bürgern großformatig nachgebaut. Sie sind größtenteils unbesiedelt und manchmal sogar Todesfallen; eine Tatsache, die dem vertrauensseligen Laien übrigens selten auffällt.
Auch das gängige Pflanzensortiment in Gartencentern ist leider mehr fürs Auge als auf die Bedürfnisse von Wildbienen abgestimmt.


Möglichkeiten in Garten und Balkon

Mit den Infos der verlinkten Broschüre ausgestattet (https://www.bund-konstanz.de/fileadmin/ogkonstanz/BUND_Rotenburg_Insektennisthilfen.pdf), kann jeder Einzelne auf Garten und Balkon noch heute mit der Wildbienenförderung beginnen.

Die Grabwespe „stahlblauer Grillenjäger“ nutzt Niströhren zur Vermehrung.

 Pflanzlisten heimischer Wildpflanzen und zertifiziertes Saatgut (siehe empfohlene Hersteller!) helfen dabei, die Flächen sinnvoll und wildbienengerecht aufzuwerten. Pflanzen Sie zum Beispiel Faulbaum, Felsenbirne oder Blasenstrauch. Lassen Sie Ihren Reisighaufen mit Wildrosen überwuchern. Lassen Sie die Zaunrübe am Zaun klettern, anstatt sie auszureißen. Schon bald könnte sich die Zaunrübensandbiene ansiedeln. Wie wäre es, den englischen Rasen stellenweise durch eine Kräuterrasenmischung auszutauschen und bei seiner Pflege zukünftig auf Unkrautmittel zu verzichten? Unter den Zwiebelgewächsen sind Milchstern, Blaustern und Traubenhyazinthen besonders empfohlen. Es ist aber auch hier auf deren Herkunft zu achten. Wenn bei der Aufwertung der eigenen Gartenanlage ein anderes Biotop zerstört wird, ist dies keine empfehlens-werte Maßnahme.

Ausblick
Der Blick weitet sich, je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt. Wildbienen stehen an dieser Stelle nur exemplarisch für das gesamte Tier- und Pflanzenreich. Ein Garten, ist er noch so naturnah gestaltet, ersetzt nicht die erforderlichen Maßnahmen in der freien Landschaft. So sind die vorgestellten Beispiele nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Vielleicht aber kann es auf dem „Wildbienenweg“ gelingen, mehr Menschen für die Thematik zu begeistern, Neugier zu entfachen und den Wunsch nach Weiterbildung zu erwe-cken. Das naturnahe Gärtnern bringt viele Ideen, den Garten schön zu machen – für Mensch und Tier. Voraussetzung ist die Erkenntnis, dass in der freien Natur andere Prioritäten herrschen und andere Regeln gelten als im eigenen Wohnzimmer. Wer sich informiert, kann ganz gezielt „Tiere pflanzen“. Die Arbeitsgruppe Wildbienen gibt ihr Wissen gern weiter. Sollten Sie Fragen haben, schreiben Sie uns am besten an: freiluga-schulbio@stadt-koeln.de
 

Literaturempfehlungen
Empfohlene Broschüre für Einsteiger in die Wildbienenförderung
https://www.bund-konstanz.de/fileadmin/ogkonstanz/BUND_Rotenburg_Insektennisthilfen.pdf
Monographien
• Westrich, Paul (2011): Wildbienen. Die Anderen Bienen. 5. Aufl. 2015. München (F. Pfeil).
• Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands.– 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).
• David, Werner (2016): Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen. Leitfaden für Bau und Praxis – so gelingt’s. Darmstadt: Pala.
• Aufderheide, Ulrike (2019): Tiere pflanzen. Faszinierende Partnerschaften zwischen Pflanzen und Tieren. 18 attraktive Lebensräume im Naturgarten gestalten. Darmstadt: Pala
Websites (Stand: November 2019)
www.wildbienen.info/
www.wildbienenschreiner.de
www.wildbiene.com

 

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50933 Köln

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