Aktuelles Bild von der KVB-Anlage. Rechts die heute schon großzügige Sonderhaltestelle, die ja mal für ein erhöhtes Fahrgastaufkommen bei Veranstaltungen gebaut worden war. Foto: hf

 

Widerstand gegen teure Haltestellen-Erweiterung am Stadion

Stand: 18. April 2026, hf

 

Die KVB schmiedet Pläne für eine Erweiterung der Haltestellen am Stadion in Müngersdorf. Die Personenkapazität der schon jetzt großen Haltestellen- und Rangieranlage an der Aachener Straße soll von gegenwärtig 10.000 Personen pro Stunde auf 16.000 Personen erhöht werden. Diese Erweiterung soll bis zu 41 Millionen Euro (Stand 2026) kosten. Nicht nur große Teile der Kommunalpolitik sehen das höchst kritisch angesichts leerer Stadtkassen. In den Bürgergruppen der direkt betroffenen Stadtteile regt sich ebenfalls Widerstand gegen den Ausbau - nicht nur wegen des Geldes.

Hauptargumente der Bürgergruppen gegen das Projekt: Für eine Stadt und einen Verkehrsbetrieb mit leeren Kassen viel zu teuer, es müßten erneut viele alte Bäume in einem Landschaftsschutzgebiet gefällt werden und überhaupt fehle es an einem schlüssigen Gesamtverkehrskonzept. Hinter hervorgehaltener Hand befürchten Bürger in den betroffenen Stadtteilen eine stille Vorbereitung für einen massiven Ausbau des Stadions mit Steuergeldern, so wie es sich der Kölner FC schon lange aus kommerziellen Gründen wünscht.

 

Der Sonderbahnsteig auf dem Gelände der Rangieranlage ist heute schon sehr groß und wird nur temporär genutzt. Der Bahnsteig hat eine Länge von ca. 160 m, das heißt: Jetzt schon können zwei der aktuellen 60-m-Straßenbahnen hintereinander abgefertigt werden - in beide Richtungen vor und nach einer Veranstaltung. Eine günstige Verlängerung dieses Bestandsbauwerks auf sagen wir 190 m für zwei der eventuell kommenden 90-m-Züge wäre ein Kinderspiel. Was bitte soll 41 Millionen kosten? Nicht vergessen: 2 x 95 m an der regulären Haltestelle (Karte links oben) kommen ja heute schon dazu. Foto + Karte (Basis OpenStreetMap): Hanno Frings

 

Die Bürgergruppen im Kölner Westen haben im Rahmen eines Offenen Briefes das unten folgende Positionspapier zum geplanten Umbau der Sonder-Haltestelle am 11. April 2026 an den Vorstand der KVB, an den Oberbürgermeister, an die Ratsfraktionen, an den Verkehrsdezernenten, den Mobilitätsausschuss und an die Lokalpresse geschickt.

 

Die KVB hat auch eine Antwort auf dieses Positionspapier geschickt (siehe diese Seite unten). Reaktionen von Parteien, Ratsmitgliedern, Dezernat usw. sind noch nicht eingetroffen.

 

Das Anschreiben der Bürgergruppen:

 

„Als Bürgergruppen im Kölner Westen sehen wir die Planungen für einen Umbau der Stadion-Sonderhaltestelle kritsch:

- Bevor bauliche Maßnahmen beschlossen werden, muss ein integriertes und tragfähiges Gesamtkonzept für den Veranstaltungsverkehr vorliegen, das sich nicht auf die Stadtbahnlinie 1 beschränkt. Nur auf dieser Grundlage kann der tatsächliche Bedarf seriös ermittelt werden.

- Die bestehende Stadtionhaltestelle ist leistungsfähig und bewährt. Sie ermöglicht die gleichzeitge Abfertigung von zwei 60-Meter-Bahnen und durch das vorhandene Gleiskreuz einen effizienten Betriebsablauf mit kurzen Zugfolgen. Diese funktionalen Vorteile würden durch einen umfassenden Neubau für 90-Meter-Züge ohne erkennbaren Mehrwert beseitigt.

- Nicht zuletzt aufgrund der prekären Haushaltslage bei Stadt und KVB plädieren wir für eine gezielte Ertüchtigung der der vorhandenen Infrastruktur anstatt eines kosten- und prestigeträchtigen Neubaus des Sonderhalts.

Unser detaillierteres Positionspapier finden Sie in der Anlage. Wir bitten Sie, die darin dargestellten Argumente und Anregungen bei weiteren Beratungen und Entscheidungen zu berücksichtigen. Für Rückfragen oder einen weiterführenden Austausch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.“

BIG Weiden e.V., BIG Junkersdorf e.V., Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V., Interessengemeinschaft Braunsfelder Bürger*innnen

 

Ist doch alles da. Und sogar schick - und schön im Grünen: Der Zugang zur Sonderhaltestelle direkt an den Vorwiesen des Stadions. Foto: hf

 

Positionspapier der Bürgergruppen im Kölner Westen zum geplanten Umbau der Haltestelle Rheinenergie-Stadion (Haltestelle für den Sonderverkehr):

 

„Wir als Bürgergruppen im Kölner Westen sehen die Planungen für einen Umbau der Stadion-Sonderhaltestelle im Rahmen der Kapazitätserweiterung auf der Ost-West-Achse kritisch. Bevor bauliche Maßnahmen beschlossen werden, muss geklärt werden, wie der Veranstaltungsverkehr insgesamt organisiert werden soll. Ein tragfähiges Konzept darf sich nicht auf die KVB und die Stadtbahn-Linie 1 beschränken, sondern muss S-Bahn-, Bus- und Regionalverkehre einbeziehen.

 

Die S-Bahn-Haltestelle Köln-Müngersdorf (Technologiepark / Vitalisstr., die Red.) wird bereits heute von Stadionbesuchern stark genutzt und bietet weiteres Potenzial, insbesondere mit künftig drei statt zwei S-Bahn-Linien. Erst auf Grundlage eines umfassenden Verkehrskonzepts lässt sich der tatsächliche Bedarf belastbar bestimmen. Eine drastische Erhöhung der Kapazität um 60 % allein durch den geplanten Umbau der Sonderhaltestelle erscheint jedenfalls weit überzogen.

 

Die bestehende Stadion-Sonderhaltestelle ist leistungsfähig und bewährt. Sie ermöglichtden gleichzeitigen Halt von zwei 60-Meter-Zügen und damit eine hohe Abfertigungskapazität. Das vorhandene Gleiskreuz ermöglicht einen effizienten Betriebsablauf mit kurzen Zugfolgen. Engpässe entstehen allenfalls durch fehlende Fahrzeuge und Personal, nicht durch die Anlage als solche. Ein umfassender Neubau würde diese funktionalen Vorteile ohne erkennbaren Mehrwert beseitigen. Eine Abfertigung von 90-Meter-Zügen soll nach aktueller Beschlusslage künftig an den Haltestellen Junkersdorf, Rheinenergie-Stadion und Müngersdorf möglich sein.

 

Ein zusätzlicher Ausbau der Sonderhaltestelle für 90-Meter-Züge ist nicht erforderlich. Auch wirtschaftlich überzeugt die Planung nicht. Die Kosten stehen in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen - insbesondere für einen nur gelegentlichen Veranstaltungsverkehr. Angesichts der angespannten Haushaltslage bei Stadt und KVB ist fraglich, wie ein derart überdimensioniertes Projekt finanziert werden soll, zumal etwaige Aufzüge und Brücken langfristig höhere Betriebskosten verursachen. Eine punktuelle Weiterentwicklung der bestehenden Anlage wäre deutlich kostengünstiger und schneller umsetzbar.

 

Wir sprechen uns daher für eine vereinfachte Variante aus: Erhalt der bestehenden Infrastruktur einschließlich des Gleiskreuzes, barrierefreie Ertüchtigung sowie Einsatz von 60-Meter-Sonderzügen. Ergänzend sind punktuelle Anpassungen für einen flexiblen, sicheren Betrieb sowie die Sanierung der bestehenden Anlagen zu prüfen.

 

Wir erwarten eine Neubewertung der bisherigen Planungen auf Grundlage eines integrierten Verkehrskonzepts. Erst wenn klar ist, wie der Stadionverkehr künftig organisiert wird, können geeignete bauliche Maßnahmen abgeleitet werden. Ein kostspieliger Neubau der gesamten Haltestelle unter dem Deckmantel der Kapazitätserweiterung auf der Ost-West-Achse ist abzulehnen."

 

Kontakt:

 

BIG Weiden e.V. (Dr. Viviane Fröhling, Ulrike Mazalla, Karl-Heinz Flick)

BIG Junkersdorf e.V. (Astrid Franzen)

Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V. (Antje Frings, Harald Schaefer)

Interessengemeinschaft Braunsfelder Bürger*innen (Henning Sonnemann, Ilsetraud Popke)
 

 

Antwort der KVB an die Bürgergruppen

Stand 18. April 2026

 

Von Gunther Höhn, KVB

Bereichsleiter Nahverkehrsmanagement, Prokurist

 

BETREFF: BÜRGERGRUPPEN IM KÖLNER WESTEN ZUM GEPLANTEN UMBAU DER SONDER-HALTESTELLE RHEINENERGIE STADION

 

(...)

Vielen Dank für das Engagement der Bürgergruppen im Zuge des geplanten Ausbaus der Linie 1 und hier der Stadionhaltestelle. Herr Winter hatte mir Ihre Mail mit der Bitte um Beantwortung weitergeleitet.

 

Als KVB ist es uns wichtig ein adäquates, tragfähiges und zukunftsorientiertes Mobilitätsangebot für alle Bürger*innen und Gäste weiterzuentwickeln. Hierzu hat der Stadtrat bereits verschiedene Ausbauentscheidungen getroffen, die auch die Linie 1 und damit die Aachener Straße betreffen. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es dabei einen möglichst attraktiven ÖPNV zu schaffen, mit dem Ziel einer vermehrten Nutzung der nachhaltigen Mobilitätsangebote. Hierzu gehört auch ausreichend Kapazitäten für die zukünftige Nachfrage zu schaffen. Im direkten Umfeld des RheinEnergieStadions bietet die Linie 1 die einzige leistungsfähige ÖPNV-Anbindung für diese Größenordnung der Nachfrage. Demgegenüber spielt der Busverkehr im Stadionverkehr eine nachgeordnete Rolle, da er deutlich geringere Kapazitäten aufweist und erfahrungsgemäß stark von den Stauereignissen im Stadionumfeld betroffen ist. Auch die S-Bahn besitzt aufgrund der größeren Entfernung zum Stadion und der damit
verbundenen eingeschränkten fußläufigen Erreichbarkeit nur eine geringere Bedeutung für die An- und Abreise. Eine direktere Anbindung der S-Bahn an das Stadion wurde bereits im Rahmen der Planungen zum Stadionumbau vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erwogen, aufgrund der hohen Kosten und dem dazu erforderlichen Eingriff in den Grüngürtel nicht weiterverfolgt.

 

Die bestehende Stadionhaltestelle ist derzeit auf den Einsatz von maximal zwei 60-Meter-Stadtbahnen ausgelegt und stößt damit bei Großveranstaltungen bereits an ihre kapazitiven Grenzen. Sie entspricht damit nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine leistungsfähige Haltestelle im hochbelasteten Massenverkehr. Bei Stadionveranstaltungen kommt es regelmäßig zu sehr hohen Fahrgastnachfragen. Durch die geplante Ertüchtigung der Haltestelle für den Einsatz von 90-Meter-Zügen sollen die Wartezeiten deutlich reduziert werden das Sicherheitsniveau bei der Abreise verbessert werden. Ein paralleler Betrieb von Langzügen auf der Linie 1 und deutlich kürzeren Fahrzeugen im Sonderverkehr wäre aus Sicht der Fahrgäste zudem schwer nachvollziehbar und kommunikativ nur
eingeschränkt vermittelbar.

 

Die angespannte Haushaltslage der Stadt Köln ist der KVB selbstverständlich bekannt. Im Rahmen der nun anstehenden vertiefenden Planungen sollen daher ausdrücklich auch Einsparpotenziale geprüft werden, um eine sowohl verkehrlich leistungsfähige als auch wirtschaftlich tragfähige Lösung zu entwickeln.

 

Vor dem Hintergrund der hier genannten Argumente erachten wir es bei allem Verständnis für ihre Position für richtig und zukunftsweisend eine Planung für die Kapazitätserweiterung dieser Haltestelle auf den Weg zu bringen um so für die vielen Gäste dieses bedeutenden Veranstaltungsortes in Köln auch eine attraktive Anbindung zu schaffen. Selbstverständlich ist dabei vorgesehen die Politik und die Anwohner auch im weiteren Planungsprozess einzubeziehen.

 

(...)

Gunther Höhn

Bereichsleiter Nahverkehrsmanagement
Prokurist

 

Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V.
Kirchenhof 4
50933 Köln

www.bvm.koeln

info@bvm.koeln

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