Diskussion über geplanten Neubau

Stand: 4. August 2026

Ein privater Bauherr plant, im Bereich zwischen Belvederestraße und Alter Militärring ein Wohnhaus zu bauen. Auf einem großen Bestandsgrundstück an einer kurzen Stichstraße soll ein älteres Einfamilienhaus einem modernen Bau mit mehreren Wohneinheiten weichen. Auch wenn im betroffenen Bereich schon größere Wohnhäuser stehen, hat die unmittelbare Nachbarschaft Bedenken.

 

Eine Gruppe aus dieser Nachbarschaft hat dem Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V. einen offenen Brief mit Bitte um Veröffentlichung zugesandt, in dem sie ihre Position schildert.

 

Damit diese Sichtweise nicht alleine im Raum steht, hat der BVM den Baueherren gebeten, ebenfalls seine Perspektive auf den geplanten Neubau in einer Stellungnahme zu formulieren.

 

An dieser Stelle sei festzuhalten, dass erstens in dieser Angelegenheit für den Bürgerverein der Schutz der sogenannten eiszeitlichen "Hangkante" im Vordergrund steht, für den sich der BVM lange eingesetzt hatte, und zweitens der baurechtliche Vorgang im Rahmen eines privaten Bauantrags ein laufendes Verfahren ist, in das sich der Bürgerverein nicht einmischen kann und will, um nicht einseitig Partei zu ergreifen.

 

Der Bürgerverein erkennt grundsätzlich an, dass sich Stadtteile über lange Zeit verändern und weiterentwickeln und dass es allgemein mehr Wohnraum für alle Zielgruppen auch in Köln braucht.

 

Im folgenden die beiden Stellungnahmen im Wortlaut in der Reihenfolge des Eingangs hintereinander gesetzt:

 

Zuerst der Offene Brief der Nachbarschaft
 

Von Familie Dehaan, Familie Fiedler, Familie Klütsch, Familie Grahn, Gabriele Filz, Familie Schmiemann

 

Ein geplantes Mehrfamilienhaus an der Quadrather Straße ist aus Sicht
betroffener Nachbarinnen und Nachbarn kein gewöhnliches Bauprojekt: Es
betrifft das geschützte Naturdenkmal Mittelterrassenkante Müngersdorf, das
historische Ortsbild und die angespannte Verkehrssituation im Veedel. Über
das Vorhaben ist bislang noch nicht entschieden. Nach dem uns bekannten
Stand wird der Fall weiterhin geprüft; die Stadt Köln befindet sich dazu im
Austausch mit der Bezirksregierung Köln als Oberer Naturschutzbehörde.

Ein Vorhaben mit Bedeutung über das Grundstück hinaus

Wir schreiben als betroffene Nachbarinnen und Nachbarn, weil wir der
Auffassung sind, dass es sich bei dem geplanten Bauvorhaben an
der Quadrather Straße um einen Vorgang von öffentlichem Interesse handelt.
Vorgesehen ist nach den vorliegenden Unterlagen ein Mehrfamilienhaus mit
zwölf Wohneinheiten und Tiefgarage. Der Neubau an Stelle eines
Einfamilienhauses ist zu einem Teil in der Schutzzone des Naturdenkmals
Mittelterrassenkante Müngersdorf geplant – also in einem Gebiet, das gerade
zum Schutz dieses besonderen Landschaftsraums ausgewiesen wurde und in dem ein absolutes Bauverbot herrscht.

Diese Schutzzone wurde auch durch das langjährige Engagement des
Bürgervereins Köln-Müngersdorf erwirkt. Umso größer ist unserer Meinung
nach die öffentliche Bedeutung des Vorgangs. Mit einer Höhe von rund 12,6
Metern würde das Gebäude die umliegende Bebauung zudem deutlich
überragen und in einem besonders sensiblen Bereich von Alt-Müngersdorf
errichtet.

Aus unserer Sicht geht es hier nicht nur um die Frage, was auf einem
einzelnen Grundstück gebaut werden darf. Es geht auch um den Schutz eines Naturdenkmals, um die Standsicherheit der Hangkante, um die Veränderung des historischen Ortsbilds und um die Frage, wie weit Eingriffe an diesem besonderen Ort künftig reichen dürfen.

Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen

Über das Vorhaben ist bislang nicht abschließend entschieden worden. Nach
dem uns mitgeteilten Stand liegt der Stadt Köln derzeit kein Bauantrag,
sondern lediglich ein Antrag auf Erteilung eines planungsrechtlichen
Vorbescheids vor.

Die Stadt Köln hat zudem mitgeteilt, dass sie in dieser Sache mit der
Bezirksregierung Köln als Oberer Naturschutzbehörde im Austausch steht.
Das Verfahren befindet sich also weiterhin in einer naturschutzrechtlich
relevanten Prüfung auf höherer Ebene. Gerade deshalb halten wir es für
notwendig, die Öffentlichkeit über die Tragweite des Vorhabens zu
informieren.

Lage am Naturdenkmal Mittelterrassenkante

Das Grundstück liegt zum Teil in der Schutzzone und grenzt an
die Mittelterrassenkante Müngersdorf, ein ausgewiesenes Naturdenkmal.
Dieser Bereich besitzt einen besonders hohen Schutzstatus. Die
Terrassenkante ist ein geologisches Zeugnis der Eiszeit und prägt den
Charakter Müngersdorfs in besonderer Weise. Ihre beeindruckende Höhe ist
gerade vom Alten Militärring aus erlebbar.

Das geplante Gebäude würde weiter an die sensible Kante heranrücken und
zudem deutlich mehr Fläche in Anspruch nehmen als das bestehende Haus.
Während das Bestandsgebäude nach den vorliegenden Angaben eine
Grundfläche von rund 180 Quadratmetern hat, soll der Neubau etwa 255
Quadratmeter umfassen, hinzu kommen weitere versiegelte Flächen sowie
eine Tiefgarage.

Sorge um die Stabilität der Hangkante

Auch die Frage der Standsicherheit besorgt uns. Nach unserer Kenntnis gab
es an der Hangkante bereits Hangrutschungen. Im Zusammenhang mit einer
Rutschung aus dem Jahr 2011 wurde ein geologisches Gutachten erstellt, in
dem die Instabilität des Hanges thematisiert wird. Zudem wird in einer
städtischen Mitteilung darauf hingewiesen, dass Bebauungen im engeren
Umfeld der Hangkante unmittelbare Auswirkungen auf deren Standsicherheit
haben können.

Vor diesem Hintergrund erscheint das geplante Vorhaben mit Aushub,
Tiefgarage, schwerem Baugerät, Erschütterungen und möglichen
Sicherungsmaßnahmen wie Spund- oder Bohrpfahlwänden als risikoreich.
Der vorgesehene Bauort liegt aus unserer Sicht in einem sehr sensiblen und
hohen Bereich der Terrassenkante. Eine weitere Rutschung könnte das
Naturdenkmal dauerhaft schädigen und möglicherweise auch Auswirkungen
auf den darunterliegenden Bereich haben.

Offene Fragen zum bisherigen Verfahren

Nach unserem Kenntnisstand hat der Naturschutzbeirat der Unteren
Naturschutzbehörde der Stadt Köln am 24. November 2025 für dieses
Vorhaben einer Befreiung von naturschutzrechtlichen Vorgaben mehrheitlich,
aber nicht einstimmig zugestimmt. Gerade deshalb ist es umso wichtiger,
dass die jetzt laufende Prüfung durch die zuständigen Stellen vollständig und
sorgfältig erfolgt.

Hinzu kommt, dass nach unserem Eindruck nicht alle relevanten
Informationen von Anfang an ausreichend berücksichtigt worden sind. So gab es vor der Sitzung des Naturschutzbeirats offenbar ein Vorgespräch, in
dessen Unterlagen der Eindruck entstanden sein soll, das neue
Mehrfamilienhaus werde auf der Grundfläche des bestehenden
Einfamilienhauses errichtet. Diese Darstellung halten wir für missverständlich, weil die geplante Grundfläche des Neubaus nach den vorliegenden Angaben deutlich größer ist.

Auch deshalb ist es aus unserer Sicht richtig und notwendig, dass das
Vorhaben weiterhin geprüft wird und dass dabei auch die bekannten
Unterlagen zu früheren Hangrutschungen und zur geologischen Situation
einbezogen werden.

Belastungen für Verkehr und Nachbarschaft

Neben dem Naturschutz sind auch die Auswirkungen auf den Alltag im Veedel erheblich. Die Parksituation in diesem Bereich Müngersdorfs ist seit Jahren stark angespannt. Schon heute weichen Fahrzeuge in Nebenstraßen aus, Stellplätze fehlen und der Straßenraum ist durch Baustellen und Parkdruck immer wieder überlastet.

Die geplante Tiefgarage mit zwölf Stellplätzen erscheint uns nicht geeignet,
diese Situation zuverlässig zu entschärfen. Vielmehr ist zu befürchten, dass
zusätzlicher Parkdruck in der gesamten Nachbarschaft entsteht, wenn
Bewohner oder Besucher auf öffentliche Stellplätze ausweichen.

Ein Eingriff in das historische Ortsbild

Müngersdorf besitzt noch immer einen sichtbar gewachsenen historischen
Ortskern. Gerade Maßstäblichkeit, Blickbeziehungen und die Einbindung
älterer Bebauung machen den Charakter des Veedels aus. Ein Gebäude
dieser Größe würde aus unserer Sicht das Ortsbild spürbar verändern und die umliegende Bebauung überragen.

Damit verbindet sich auch eine grundsätzliche Frage: Welche Signalwirkung
hätte ein solches Bauvorhaben an dieser Stelle für weitere Grundstücke
entlang der Terrassenkante? Wenn in einem so sensiblen Bereich ein derart
großer Eingriff möglich wird, steigt aus unserer Sicht der Druck auf weitere
Flächen.

Auch der Artenschutz verdient Beachtung

Hinzu kommen Belange des Artenschutzes. Die Gärten, Mauern, Grünflächen und Bäume im Umfeld der Quadrather Straße und der Terrassenkante bieten Lebensräume für zahlreiche Arten. Aus der Nachbarschaft werden unter anderem Wildbienen, Hummeln, der Stieglitz und der Gartenschläfer genannt. Gerade durch Bauarbeiten, Bodenversiegelung und Eingriffe in bestehende Strukturen könnten diese Lebensräume erheblich beeinträchtigt werden.

Nicht gegen Wohnraum, sondern für eine verantwortliche Abwägung

Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir nicht grundsätzlich gegen
Neubau oder gegen die Schaffung von Wohnraum sind. Auch uns ist bewusst, dass Köln Wohnungen braucht. Aber gerade an einem Ort wie diesem muss sorgfältig abgewogen werden.

Aus unserer Sicht steht der Nutzen von zwölf zusätzlichen Wohneinheiten in
keinem angemessenen Verhältnis zu den möglichen Folgen für das
Naturdenkmal, die Hangstabilität, das Ortsbild und die Lebensqualität im
unmittelbaren Umfeld.

Warum wir die Öffentlichkeit informieren

Gerade weil hier öffentliche Schutzgüter betroffen sind, sollte der Vorgang
auch öffentlich wahrgenommen und kritisch begleitet werden. Es geht um die
Frage, wie ernst der Schutz eines Naturdenkmals genommen wird und
welche Maßstäbe künftig in Alt-Müngersdorf gelten sollen.

Wir wünschen uns deshalb eine transparente Prüfung, die vollständige
Berücksichtigung aller relevanten Unterlagen und eine breite Aufmerksamkeit
für ein Verfahren, dessen Folgen weit über ein einzelnes Grundstück
hinausreichen.

 

Die (o.g.) Unterzeichner

 

 

Und hier die Position der Bauherren
 

Von Annette & Nikolaus Fremery

 

Liebe Mitglieder des Bürgervereins,

 

wir sind Eigentümer der Immobilie Quadrather Straße 6. Sie geben uns Gelegenheit, zum anliegenden Schreiben, das Sie veröffentlichen wollen, Stellung zu nehmen. Als Eigentümer haben wir Überlegungen zu einem zeitgemäßen Neubau. Insofern haben wir im vergangenen Jahr eine Bauvoranfrage an die Stadt Köln gerichtet.

 

Das jetzt vom Bürgerverein veröffentlichte Schreiben wurde bereits im Dezember verteilt, und zwar als Hand-Out an unsere gesamte Nachbarschaft in der Belvederestraße und Quadrather Straße - anonym, ohne Unterschrift. Wir selber haben kein Exemplar bekommen. Inhaltlich handelt es sich um eine Auflistung möglichst vieler Einwände gegen das Bauvorhaben, aus Sicht der Autoren.

 

Wir möchten betonen, dass wir mit unserem Vorgehen den regulären und üblichen Antragsweg begehen und mit der Stadt Köln die Möglichkeiten und Grenzen eines Neubaus erörtern. Die Angelegenheit wird also in den relevanten Fachgremien behandelt. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir darüber hinaus nicht in einen öffentlichen Diskurs treten wollen.

 

Soviel sei aber bemerkt: Sowohl des jetzige, als auch das angefragte Gebäude überbauen nur einen Bruchteil des Grundstücks, was bei weitem unter dem Durchschnitt der Nachbarschaftsbebauung liegt. Die Hangkante bleibt unberührt. Es werden, bis auf kleineres Junggehölz, keine Bäume gefällt. Der Parkcharakter bleibt erhalten.

 

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Mit freundlichen Grüßen

Annette & Nikolaus Fremery

 

 

Hintergrundinformationen über die "Hangkante" und das Engagement des Bürgervereins dafür finden Sie > hier im Themenbereich Hangkante

Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V.
Kirchenhof 4
50933 Köln

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